DER GOLDENE FRÜHLING – Das Buch zur ersten echten Aufklärung der Zivilisation

DER GOLDENE FRÜHLING

Dies ist das begleitende Journal zu dem Roman DER GOLDENE FRÜHLING – Das Buch zur ersten echten Aufklärung der Zivilisation. Im Rahmen einer spannenden Geschichte, die zwischen den australischen Aborigines am Ende des 19. Jahrhunderts und dem Kollaps von Zivilisation und Ökosystem im Jahre 2038 wechselt, werden Bereiche der Realität aufgedeckt, die in unserer heutigen Gesellschaft verdrängt sind. Das Journal bietet etwa unter den Rubriken „Freiheit“ oder „Evolution“ thematische Erläuterungen sowie im Kapitel “Verdrängung” auch konkrete Beispiele der Verdrängung aus führenden Massenmedien. Der Gesamtkontext kann aber erst durch die Geschichte vermittelt werden. Dies zum einen, weil mit der Handlung eine leichte Zugänglichkeit erzeugt wird. Und zum anderen enthält die Erzählung den Blickwinkel des Autors aus seiner Erfahrung der Existenz als Jäger und Sammler in der Natur – und somit den äußerst intensiven und reichen Erlebnishorizont all der freien Tiere, die dort seit Hunderten von Millionen Jahren ihre selbstbestimmte Entfaltung genießen. Ein Gespür für diese uralte Perspektive ist von größter Bedeutung, wenn es um das Verständnis der größeren Zusammenhänge der Realität geht. Und erst dann kann auch der Sinn des Ganzen begriffen werden und ein wirklich klares und positives Weltbild entstehen.


Vorbemerkung: Die hiesigen Informationen können bei flüchtigem Blick zu dem Irrtum führen, dass mit einer realistischen Aufklärung die Nahrungsgrundlage von aktuell fast acht Milliarden Menschen und somit deren Existenz in Frage gestellt werde. Dies trifft so aber nicht zu. Zwar gehört zu einer echten Aufklärung das unbequeme Erkennen, dass sämtliche durch Eingriff in deren Evolution gezüchtete “Nutzpflanzen” und “Nutztiere” Ergebnisse eines widernatürlichen und dadurch nicht nachhaltigen Schemas sind. Allerdings ist es gerade das Ausblenden dieser unbequemen Tatsache, also das weitere “Kopf in den Sand stecken”, welches diese instabile Existenzgrundlage bald zusammenbrechen lassen würde. Nach einer realistischen Aufklärung könnte etwa der zügige Rückbau von besonders fragilen und schädlichen Intensivformen der Landwirtschaft eingeleitet werden. Insbesondere käme es zu starken psychologischen Effekten, durch welche die Menschen zum Beispiel aus eigenem Willen heraus Produkte der industriellen Massentierhaltung meiden würden. Diese und weitere Bereitschaften zur Einschränkung könnten im größeren Rahmen nur durch eine gründliche Aufklärung über den Gesamtzusammenhang der Natur entstehen.


+++ Aktuell: Interview mit Steffen Pichler zu den psychischen Folgen der Massentierhaltung +++

„Die Massentierhaltung ist das tödliche Gift für den Geist der Menschheit“

Nach der These des Buchautoren Steffen Pichler hat die industrielle Massentierhaltung der letzten Jahrzehnte in der Menschheit eine ältere kollektive Psychose zur Eskalation gebracht. Hier liege die Hauptursache für Konsumrausch, geistige Verflachung und beschleunigte Vernichtung der Lebensgrundlagen. Aktuell werde so auch verdrängt, dass die Covid-19-Pandemie wahrscheinlich ein Vorbote der Massentierhaltung als Seuchenpfuhl sei. Am Ende stünde die völlige Überlebensunfähigkeit. Ein Interview.

Das Interview führte Claudia Waigel für den ZEIS Verlag aus Frankfurt am Main.

Herr Pichler, worauf begründen Sie Ihre Behauptung, dass die industrielle Massentierhaltung die psychologische Hauptursache sämtlicher eskalierender Probleme der heutigen Menschheit sei?

Foto von Zeichnungen meherer Pferde, Nashörner und anderer Tiere
Felszeichnungen in der Chauvet-Höhle
(Südfrankreich), ca 23.000 Jahre alt. Auf allen
besiedelten Kontinenten waren andere Tierarten
seit den Anfängen des abstrahierenden Malens das
mit weitem Abstand dominierende Motiv.

Pichler: Die anderen Tiere waren immer der mit sehr weitem Abstand wichtigste mentale Anknüpfungspunkt des menschlichen Geistes an die nichtmenschlichen Anteile der Realität. Konkret erkennen lässt sich dies zum Beispiel durch die früheren Felsmalereien. Andere Tiere bildeten dort über mehr als 40.000 Jahre durchweg auf allen Kontinenten mit weitem Abstand das Hauptmotiv. Das waren nicht nur jagdbare Arten und Jagdszenen, sondern etwa auch gefährliche Fressfeinde, wie Bären und Löwen oder eher neutrale Spezies wie Adler und Schlangen. Außerdem wurden häufig Mensch-Tier-Mischwesen dargestellt. Schon in den ältesten bekannten, vor 43.900 Jahren entstandenen Malereien in der Höhle Leang Bulu auf Sulawesi gibt es Figuren, in denen Menschen mit Körperteilen von Vögeln und Reptilien kombiniert sind. Auch in der Gegenwart lässt sich dieser mentale Anknüpfungspunkt auf verschiedene Weise erkennen. So zum Beispiel bei Menschen im Kleinkindalter vor und bis kurz nach der Sprachentwicklung an der sehr starken visuellen Fokussierung, sobald sie etwa ein Eichhörnchen entdecken oder an der deutlichen Ansprache auf Stofftiere und später auf bebilderte Tiergeschichten. Auch das ist auf allen Kontinenten gleich.

Wie kann ich mir den hintergründigen Mechanismus dieser mentalen Anknüpfung an die Realität vorstellen?

Pichler: Das ist im Grunde recht einfach. Stellen Sie sich zunächst hilfsweise vor, Sie würden Ihr Gehirn neu formatieren und anschließend die Realität ganz neu entdecken. Jetzt sind also alle Information komplett weg wie auf einem leeren weißen Blatt Papier und Ihr Geist baut sich auf der Basis der von den Sinnesorganen erfassten Informationen aus der Realität ein neues Weltbild auf. Da es unter allem, was Sie nun, außer den anderen Menschen, wahrnehmen, nichts gibt, das auch nur ansatzweise eine so vielfältige und weitreichende Ähnlichkeit zu Ihnen selbst hat wie die anderen Tiere, kann die hauptsächliche mentale Anknüpfung an die nichtmenschliche Realität nur dort hinfallen. Und jetzt können Sie das Gedankenspiel über das Individuum hinaus auf den ganz großen Rahmen der Entwicklung der menschlichen Kognition übertragen. Dabei muss die wichtigste Anknüpfung ebenso auf die anderen Tiere gefallen sein. Das ist das gleiche Schema, nur dass es über viele Generationen und mit allen tierischen Vorfahren insgesamt sogar über eine Hunderte Millionen Jahre lange Entwicklungsgeschichte verlaufen ist. Ein neu geborener Mensch kommt nun nicht mit dem weißen Blatt Papier zur Welt, sondern Großteile der Kognition, des Verhaltens und unserer Wahrnehmung sind bereits vorgeprägt. Der besonders wichtige und zentrale Anknüpfungspunkt wird nicht immer wieder neu aufgebaut, sondern er liegt unverrückbar in der Mitte unseres Geistes. Das fokussierende Kind hat also in diesem Sinne nicht etwas Neues entdeckt, sondern seine Kognition erkennt gewissermaßen in dem Eichhörnchen die Gelegenheit zur mentalen Anknüpfung an die Realität. Man könnte dies auch wie eine sehr wichtige Kalibrierung des sich entwickelnden Geistes des Kindes interpretieren.

Viele Menschen würden Ihnen nun entgegenhalten, dass sich doch aber für die heutige Zivilisation neue mentale Anknüpfungspunkte an die Realität ergeben haben, so wie Technologien oder das Wissen über die größeren Zusammenhänge des Universums.

Pichler: Das ist reine Einbildung. Das Wissen über das Universum etwa spielt im Bewusstsein der meisten heutigen Menschen nur eine ganz nachrangige Rolle, schon weil es hauptsächlich theoretisch ist. Und die Technologien sind ja sogar nur Werkzeuge etwa für den Transport, den Informationstransfer und allerlei Erleichterungen und Bequemlichkeiten. Da sind im tieferen Sinne überhaupt keine neuen Anknüpfungspunkte an die Realität entstanden. Und noch mal zur Betonung: Die prägende Wahrnehmung der anderen Tiere als wirklicher und zentraler Anknüpfungspunkt an die Realität hat bei unseren eigenen evolutionären Vorfahren stattgefunden seit es Gehirne gibt, also seit mehreren hundert Millionen Jahren. Das sind fundamentalste Prägungen in den allertiefsten Regionen der von der Kognition gebildeten Psyche. So etwas könnte unmöglich durch irgendwelche nachfolgenden Informationen oder selbst kreierte Technologien ersetzt werden. All das ist stets sehr viel flacher als diese tiefsten Prägungen und somit nur oberflächlich wie ein ganz dünner Film.

Sie meinen also, dass die von Ihnen behauptete Eskalation einer Psychose der Menschheit dadurch aufgekommen ist, dass sich dieser wichtige Anknüpfungspunkt an die Realität in die Hallen der Massentierhaltung verortet hat?

Halle mit Massenhaltung von mehreren Tausend Hühnern
Mehr als 60 Prozent der
Biomasse der Landwirbeltiere
des Planeten befinden sich in
Gefangenhaltung, der Großteil in
Massentierhaltung. Weitere 30
Prozent werden durch den
Menschen selbst gebildet und
nur noch wenige Prozent durch
freilebende Landwirbeltiere.

Pichler: Ich würde das eher so definieren, dass der Anknüpfungspunkt dadurch so stark vergiftet wurde, dass er nicht mehr funktionieren kann. Die meisten größeren Landwirbeltiere außer dem Menschen selbst existieren heute in Formen der Intensivtierhaltung und jeder einzelne Mensch weiß ja woher die vielen Waren in den Supermärkten stammen. Es lässt sich anhand von empirischen Studien aus Deutschland aufzeigen, dass bei Befragungen fast 100 Prozent der Teilnehmer aussagen, dass sie grundsätzlich ein Problem mit der Massentierhaltung haben und sie diese lieber ausblenden. Suchen Sie mal irgendein anderes empirisch nachgewiesenes kognitives Problem mit größerer quantitativer Rate. Da werden Sie nichts finden, egal ob es um Umweltthemen, Klimawandel oder sonst was geht. Und was die qualitative Tiefe des Problems im Unterbewusstsein angeht, so können Sie das selbst mit einem kleinen Trick weiter austesten, indem Sie mal gegenüber einem Gesprächpartner an passender Stelle wie beiläufig die Bemerkung einwerfen, dass „ die Massentierhaltung doch die Hölle“ sei. Das Wort „Hölle“ hat sich ja allgemein als Bezeichnung für das Schlimmste überhaupt etabliert. Wenn Sie den Test unauffällig durchführen und Ihr Gegenüber sozusagen überrumpeln, dann wird dieses fast immer auf irgendeine Weise Zustimmung signalisieren. In diesem Moment schauen Sie quasi in dessen Unterbewusstsein und sehen das dort wirkende Gift. Die Menschheit fühlt sich somit unterbewusst als Urheber der Hölle. Sie erkennt auf dieser Ebene, dass es sich um eine extrem hochgradige Widernatürlichkeit und eine kaum noch steigerbare Grausamkeit handelt. Der Mensch als Individuum nimmt davon allerdings kaum etwas bewusst wahr, weil es auf der kollektiven Ebene sehr starke Verdrängungsmechanismen gibt.

Ist das mentale Problem also grundsätzlich erst mit dem Aufkommen der industriellen Massentierhaltung entstanden? Tierhaltung gibt es ja schon seit mehreren Jahrtausenden.

Pichler: Nein, das mentale Problem ist grundsätzlich schon mit dem Beginn der Tierhaltung an sich und sogar der Landwirtschaft insgesamt entstanden. Das Verhältnis eines früheren Jägers und Sammlers zu den anderen Lebewesen war buchstäblich rein, weil diese ja, so wie es in der Natur seit mehreren Hundert Millionen Jahren war, genau wie er selbst ihr eigenes freies, also selbstbestimmtes Leben hatten und der Kontakt bei der Erbeutung auf beiden Seiten meist nur einen winzig kleinen Bruchteil der Lebensspannen ausmachte. Der wichtigste Anknüpfungspunkt an die reale Weltstruktur und ihre Regelmäßigkeiten war dadurch ungestört. Mit der sogenannten Neolithischen Revolution, also dem Beginn der Zucht und lebenslangen Haltung anderer Lebewesen, kam es vor ein paar Jahrtausenden zu einer sehr radikalen Zäsur. Nun stand der Mensch ziemlich plötzlich in einem Verhältnis mit anderen Lebensformen, die nicht mehr frei existierten und sich selbstbestimmt fortpflanzten, sondern die faktisch seine lebenslang unterworfenen Sklaven waren. Dadurch ist jene uralte natürliche Ordnung durcheinander geraten, an die sich die Kognition all unserer jagenden und sammelnden Vorfahren zumindest über fast 500 Millionen Jahre angepasst hatte. Solange gibt es bereits Wirbeltiere mit Gehirnen.

Aber hier würden nun viele heutige Menschen sagen, dass doch, wenn, dann das Töten die eigentliche Sünde sein müsse und somit gerade auch der frühere Jäger anderer Tiere dieselbe beging.

Ein Weißkopfseeadler gleitet vor blauem Himmel durch die Luft
Jedes in der Natur geborene Tier stirbt
irgendwann wieder. Aber zwischen
Geburt und Sterben liegt immer eine
relativ zu diesen Ereignissen
durchschnittlich vielfach größere
Zeitspanne der freien und gesunden
Entfaltung.

Pichler: Ja, die diese Haltung ist in der Zivilisation weit verbreitet, aber sie ist nichts anderes als ein Ablenkungsversuch im Rahmen der erwähnten Verdrängung. Man versucht von der Perversion der lebenslangen Versklavung anderer Lebewesen abzulenken, indem das auch in der Natur stattfindende Töten in den Mittelpunkt gerückt wird. Tatsächlich stirbt jedes geborene Lebewesen irgendwann wieder, das ist eine zentrale Regelmäßigkeit der Natur und die Grundlage für die Vielfalt des Ökosystems. Aber es ist auch eine sehr zentrale Regelmäßigkeit, dass zwischen Geburt und Sterben bei allen Spezies eine durchschnittlich sehr viel größere Spanne der freien Entfaltung des Individuums liegt. Das kurze und punktuelle Geschehen der Tötung eines freien Tieres zum echten Zwecke der Nahrungsbeschaffung oder auch die potenzielle Gefahr des entsprechenden Getötetwerdens aus der eigenen Freiheit heraus sind in dieser regelmäßigen Struktur keine Störfaktoren. Es handelt sich um eine meist sogar besonders schnell und überraschend verlaufende natürliche Todesursache am Ende einer freien Existenz und genauso wurde das von unseren Vorfahren auch realisiert. In der Natur ist die Freiheit der Dreh- und Angelpunkt, Geburt und Sterben sind dagegen nur unabdingbare Randerscheinungen des Lebens. Und übrigens ist das Töten eines lebenslang versklavten und somit völlig chancenlosen Tieres etwas ganz anderes als das Töten eines bis zu diesem Moment absolut freien und mit der Chance zum Entweichen versehenen Tieres. Das sind zwei sehr verschiedene Dinge. Es gibt auch Überlieferungen von Äußerungen früherer Jäger und Sammler, die nach ersten Kontakten mit der Zivilisation nicht nur die Gefangenhaltung anderer Tiere an sich, sondern zudem auch den Akt des Tötens derselben aus dieser Gefangenschaft heraus als etwas äußerst Unehrenhaftes und Unmännliches wahrnahmen.

Gab es dann also schon ab der Neolithischen Revolution und somit auch lange vor dem Aufkommen der industriellen Massentierhaltung eine kollektive Psychose?

Pichler: Mit der sogenannten Neolithischen Revolution ist jedenfalls durch die radikale Abweichung von den seit jeher fest in die Kognition eingeprägten Regelmäßigkeiten der Natur eine sehr starke Kognitive Dissonanz entstanden. Und um deren unangenehme Spannungen zu reduzieren, wurden dann über Jahrtausende mit Hilfe der Phantasie künstliche Weltbilder hervorgebracht und angenommen, in denen die Widernatürlichkeit nicht mehr als solche erscheint. Das waren komplexe kollektive Prozesse. Ein sehr bekanntes, über 2000 Jahre altes Beispiel sind die allerersten Seiten des Alten Testaments und somit auch der Bibel, wo gleich zwei Mal ausdrücklich klargestellt wird, dass ein allmächtiger Gott dem Menschen aufgetragen habe, über alle Tiere zu herrschen und die ganze Erde zu unterwerfen. Diese klare Rahmensetzung des Weltbildes war das eigentliche Erfolgsrezept dieser Religionsgrundlage. Später haben dann die Philosophen die angebliche exklusive menschliche Vernunft erfunden, die wiederum die Voraussetzung der somit ebenfalls nur dem Menschen offenstehenden Freiheit sei. Es ging also immer um exakt das gleiche Hauptziel, nämlich die mit der Neolithischen Revolution begonnene Versklavung der anderen Lebewesen mittels künstlicher Umdeutung der Realität zu legitimieren, um die unangenehmen Spannungen der Kognitiven Dissonanz zu reduzieren. Wer das gut schaffte, der wurde vom Publikum mit Zuspruch belohnt. Dabei war die Annahme und Überstülpung solcher künstlichen Weltbilder zur Spannungsreduzierung für sich gesehen selbstverständlich von vorneherein ein psychotischer Mechanismus, der ja den Geist bereits ziemlich weitgehend von der Realität abkoppelt.

Und die künstlichen Konzepte der Religionen und Philosophien funktionieren jetzt im Angesicht der industriellen Massentierhaltung gar nicht mehr?

Pichler: Bei den meisten Menschen etwa in Europa sind solche Erfindungen wie der Gottesbefehl und die angebliche exklusive Vernunft immer noch sehr prägend, auch wenn sie das nicht bewusst wahrnehmen. Aber diese künstlichen Geschichten reichen im Angesicht der extremen Eskalation der Versklavung nicht mehr aus und selbst mit noch so viel geistiger Verknotung und Phantasie ließe sich kein halbwegs funktionierender Ersatz mehr zusammendichten. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts liefen die meisten „Nutztiere“ zumindest in der warmen Jahreshälfte unter freiem Himmel herum, also auf Höfen und Weiden. Die Hühner pickten dort nach Insekten, die Rinder ästen Gras, die Fortpflanzung erfolgte durch einigermaßen normale Paarung und so weiter. Die Abweichungen von den natürlichen Regelmäßigkeiten waren dadurch noch auf einem relativ deutlich niedrigeren Grad und die wohltuenden Konzepte von Religion und Philosophie reichten aus, um die hauptsächlich unterbewusst verlaufenden Spannungen zu reduzieren. Heute existiert der überwiegende Anteil der Biomasse der Landwirbeltiere des Planeten in der Massentierhaltung. Die meisten sehen in ihrem Leben kein Tageslicht, keine grüne Pflanze, werden zu Tausenden aufs engste zusammengedrängt und zwangsweise künstlich befruchtet und somit faktisch vergewaltigt. Dazu kommt die Extremzucht. Sogenannte Hochleistungskühe können sich wegen ihrem großen Euter kaum bewegen, die alleine in Deutschland zig Millionen Masthühner entwickeln in drei Wochen so große Brustmuskeln, dass sie beim Aufstehen vorne überkippen. Die Informationen über diese lebensgeschichtlich völlig beispiellose und uferlos eskalierte Perversion sickern seit mehreren Jahrzehnten unvermeidlich zu allen aufnahmefähigen Menschen in den prägenden Industriestaaten durch. Sie werden dann zwar stets sehr schnell und kraftvoll von der Oberfläche des Bewusstseins verdrängt. Der Mensch als Individuum nimmt die enormen Spannungen deswegen zumeist fast gar nicht bewusst wahr. Aber sie wirken umso stärker im Unterbewusstsein und richten von dort aus die besagte Vergiftung des Geistes und seines uralten Anknüpfungspunktes an die Realität an.

Aber was passiert dann gerade in den Köpfen? Wenn der alte Anknüpfungspunkt jetzt gar nicht mehr funktioniert, dann müsste sich der Mensch ja nun vollends von der Realität abgekoppelt haben.

Pichler: Ja, so kann man das definieren. Der kollektive Geist befindet sich nun in einer Art Leerlauf. Er hat praktisch den Kontakt zur Realität verloren und dreht sich ohne Sinn und Ziel um sich selbst. Das Geschehen lässt sich hilfsweise mit den Verläufen vergleichen, die bei einzelnen Individuen in der Endphase einer sehr schweren Psychose auftreten. Am Anfang der Krankheit hat sich diese noch durch relativ leichtere Verrückungen geäußert, auf den kollektiven Prozess übertragen entspräche dies den erwähnten Religionen und Philosophien. Jetzt am Schluss aber verliert der Betroffene jegliche rationale Anknüpfung an die Realität. Er hat keinerlei Leitrahmen zur Orientierung mehr, trifft nur noch Fehlentscheidungen, erkennt Gefahren nicht, vernachlässigt seine Nahrungsaufnahme und seine Körperpflege, betäubt sich mit allerlei Substanzen und geht, so er keine Betreuung hat, an einer Kombination aus all dem und vielem mehr zugrunde. Er ist nun, einfach zusammengefasst, vollkommen überlebensunfähig. Und zwar selbst dann, wenn seine ursprünglichen geistigen Potenziale bei weitem ausgereicht hätten, um sich in der Realität sehr gut zurechtzufinden.

Das würde also bedeuten, dass praktisch alle der vielen, mittlerweile sehr unübersichtlichen Eskalationen rund um die heutige Menschheit Symptome dieser durch den Kontaktabriss von der Realität entstandenen Lebensunfähigkeit sind?

Pichler: Ja, auf das Kollektiv der heutigen Menschheit übertragen drückt sich die physische Selbstzerstörung unter anderem in der zügigen Vernichtung der eigenen Lebensgrundlagen durch uferlosen Konsumrausch aus und durch vielfältige Fehlentscheidungen bezüglich Intensivlandwirtschaft und Technologien. Zu den Folgen gehören etwa die zunehmende Kontamination der fruchtbaren Böden mit Dünger und toxischen Pestiziden sowie Schädigung des Oberflächenwassers. Aber auch zahlreiche Eskalationen rund um parasitäre Gegener des Menschen oder seiner „Nutzorganismen“ sind Teil dieses Prozesses. Das SARS-CoV-2 Virus dürfte ein Beispiel sein. Renommierte Wissenschaftler gehen davon aus, dass es zunächst von Fledermäusen in irgendeine Form von Tierhaltung und dann von dort auf den Menschen gesprungen ist. Das Anwachsen der Biomasse von immer mehr zusammengedrängten Wirbeltieren muss ja quasi zu einer Evolution der Pathogene im Zeitraffer führen, das ist wie ein riesiger Schnellkochtopf. Das aktuelle Problem ist wahrscheinlich nur ein relativ harmloser Vorbote. Im Oktober wurde etwa festgestellt, dass ein anderes Corona-Virus, das Sads-CoV, welches vor ein paar Jahren plötzlich in der Schweinemast aufgetaucht ist und bei Ferkeln zu 90 Prozent tödlich wirkt, sich sehr gut in menschlichen Zellkulturen vermehren kann.

Das heißt also, die Menschheit lässt immer mehr Gefahren entstehen, merkt das aber gar nicht, oder begreift nicht die Zusammenhänge hinter den Gefahren?

Pichler: Ja, durch den Kontaktabriss von den realen Zusammenhängen ist auch die Wahrnehmung der selbst heraufbeschworenen Gefahren nicht mehr möglich. Das eben genannte Beispiel rund um die Corona-Viren lässt das gut erkennen. Das Kollektiv der Menschheit kann den Zusammenhang mit der Tierhaltung nicht realisieren, es weicht aus, weil ja sonst der unangenehme Gegenstand der Verdrängung an die Oberfläche des Bewusstseins käme. Stattdessen sucht es hilflos nach Alternativen, das können dann böse Geheimdienste, schlampige Labore, Giftschlangen oder Gürteltiere sein. Das ist auch der Grund, warum sich mittelerweile niemand mehr so richtig für den Ursprung des Virus zu interessieren scheint. Da die weiteren empirischen Studien die anfänglichen Thesen rund um Schlange und Gürteltier nicht verfestigen konnten und auch für die anderen diskutierten Ansätze keine belastbaren Indizien auftauchten, hat sich der kollektive Geist zurückgezogen, er will jetzt quasi nichts mehr davon hören, weil er sozusagen weiß, wohin er ansonsten hinschauen müsste.

Welche weiteren Schäden ergeben sich durch die Verdrängung und den Abriss von der Realität auf der kollektiven Ebene?

Pichler: Die weiteren Schäden auf der psychischen Ebene liegen in schweren Verlusten der äußerst wichtigen Wahrnehmung der Schönheit und Faszination der Natur und somit der Realität. Zum Zwecke der Verdrängung wird versucht, die Natur und somit die gesamte nichtmenschliche Realität möglichst grausam und primitiv erscheinen zu lassen, um dagegen die eigene tatsächliche extreme Grausamkeit ausblenden zu können. Auch wird versucht, durch Verniedlichung und Verhätschelung von Kompensationsobjekten, wie etwa Eisbärenbabies im Zoo, den Menschen als etwas besonders Gutes aussehen zu lassen, das sich von der angeblich grausamen Realität abhebt. Das sind eindeutige Symptome einer schweren Psychose, die Sie in den Massenmedien vielfältig beobachten können. Der Verlust der Wahrnehmung der Natur und somit der Realität als etwas Schönes und Faszinierendes hinterlässt ein brutales Vakuum. Dies führt zu enormen geistigen Verflachungen und zu unbändigen Drängen in allerlei sinn- und uferlosen Konsum sowie in künstliche Ersatzrealitäten. Und insgesamt kommt es zu einer in den Massenmedien ebenfalls gut sichtbaren, orientierungslosen Zerfledderung von kollektivem Bewusstsein und Intelligenz. Das ist eine hauptsächlich von den Industrienationen ausgehende Schussfahrt der gesamten Menschheit in die völlige Überlebensunfähigkeit und sehr baldige Selbstzerstörung. Die genannten Symptome werden sich wahrscheinlich schon innerhalb der nächsten Jahre deutlich verstärken und zunehmend wie eine kollektive Verblödung wirken. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Menschheit am Schluss, quasi im Todeskampf, zumindest sehr weite Teile des höheren Lebens auf der Erde mit den Abgrund ziehen und vernichten wird.

Um noch mal kurz auf die individuelle Ebene zurückzukommen, also etwa zu dem eingangs erwähnten Kleinkind, das das Eichhörnchen fokussiert: Diesem würde ja dann, auch wenn die kollektive Verdrängung grundsätzlich wirkt, im weiteren Verlauf seiner Existenz als Individuum schwere geistige Schäden entstehen?

Pichler: Selbstverständlich ist das so. Alle Teile des kollektiven Prozesses bestimmen ja auch das Individuum, das können Sie nicht trennen. Abgesehen davon, dass der Gesamtprozess die Zukunft der heutigen Kinder zerstört, ist ja schon alleine der Verlust der Wahrnehmung der Schönheit der Natur ein sehr großer geistiger Schaden auf der aktuellen individuellen Ebene. Jenes Kind, das einst mit reiner und großer Faszination das Eichhörnchen fokussiert hat, wird schon innerhalb der nächsten Jahre langsam aber sicher erfahren, dass es in ein System hineingeboren wurde, welches den anderen Tieren eine völlig perverse Hölle der lebenslangen Versklavung bereitet. Da die bewusste Realisierung der extremen Widernatürlichkeit dieses Geschehens unmöglich ist, muss es sich unter den Schirm der kollektiven Verdrängung ducken. Es wird somit nichts von der Freiheit als zentrale Regelmäßigkeit der Natur begreifen, sondern stattdessen lernen, dass die Natur und somit die Realität grausam und das Eichhörnchen nur eine bewusstlose Nebensächlichkeit sei. Was übrig bleibt, ist ein relativ winzig kleines und gegenüber der Realität völlig verrücktes Weltbild, mit dem keine gesunde Ausfaltung des Geistes stattfinden kann. Den heutigen Kindern wird gewissermaßen die kollektive Psychose aufgedrückt. Eigentlich müsste jeder Erwachsene, der nichts dagegen tut, irgendwie zur Rechenschaft gezogen werden. Oder zumindest diejenigen, die einen größeren Einfluss auf das Kollektiv haben.

Gibt es nach Ihrer Ansicht jetzt noch Chancen, den fatalen Gesamtprozess zu stoppen oder gar umzukehren?

Pichler: Falls es noch letzte Chancen gibt, so könnten sie nur in einem tiefgreifenden und schnellen Prozess der Aufklärung über den Gesamtzusammenhang der Natur und einer ebenso schnellen praktischen Anpassung liegen. Das wäre wieder eine sehr radikale Zäsur. Dass die schädlichste Kernursache der aktuellen Eskalation, also die industrialisierte Intensivtierhaltung, per sofort vollständig beseitigt werden müsste, ist nur ein Teil davon. Es ginge auch um sehr weitreichende Neuausrichtungen von Lehre und Wissenschaft. Solche Nachrangigkeiten wie etwa Mathematik oder Teilchenphysik könnten als Nebenfächer weiter betrachtet werden, aber in den Mittelpunkt müssten die belebten Ebenen der Natur gerückt werden, also etwa die Regelmäßigkeit der Freiheit und die schon von Charles Darwin dargelegten Gesetzmäßigkeiten der freien Evolution. Auch müssten die vielen Selbstlügen, wie etwa die Konzepte des angeblichen exklusiven Bewusstseins oder der ebensolchen Vernunft des Menschen, so entlarvt werden, dass sie sich in den Köpfen der Menschen möglichst restlos auflösen können. Für nichts davon wurde ja je ein empirischer Beweis gefunden, das waren alles Erfindungen im Rahmen der Verdrängung. Mit einer echten Aufklärung würde eine Gesundung des kollektiven Geistes eingeleitet und die Überlebensfähigkeit zügig ansteigen. Die Frage wäre nur, ob die Zeit dann noch ausreicht. Das Ganze ist ja so wie ein vollbesetzter schwerer Zug, der auf einen Abgrund zurast.

Aber wie ließe sich so eine Aufklärung konkret herbeiführen? Es scheint ja tatsächlich in der Gegenwart eher zu einer rasanten Zuspitzung in die andere Richtung zu kommen. Das gesamte Interesse der Menschen konzentriert sich immer mehr hin zu Konsum und flacher Unterhaltung als zu grundsätzlichen Fragen der Realität. Man könnte sogar den Eindruck bekommen, dass die von Ihnen vorausgesagten Verblödungssymptome schon aktuell sehr ausgeprägt sind.

Pichler: Ob die letzten Chancen noch praktisch umsetzbar sind, vermag ich nicht zu sagen. Ein theoretischer Weg sie schnell zu ergreifen, läge wahrscheinlich darin, dass eine möglichst große Zahl von einflussreichen Multiplikatoren aktiv mitwirkt, also etwa Journalisten, Medienmacher, Wissenschaftler und sonstige Personen mit entsprechenden Potenzialen. Allerdings bringen, wie ich durch meine jahrelangen Aufklärungsversuche feststellen musste, die meisten dieser Leute entweder nicht die Kraft auf, sich einem solchen Prozess zu öffnen oder sie sind schlicht zu feige. Das Anerkennen der zivilisatorischen Perversion stößt auch bei ihnen auf sehr starke kognitive Abwehrreaktionen. Außerdem macht man sich damit in allen gesellschaftlichen Kreisen unbeliebt, weil das Kollektiv ja die Verdrängung will. Dieser kollektive Wille ist sehr stark. Selbst Menschen mit vormals völlig unterschiedlichen politischen Haltungen fühlen sich wie eine zusammengehörige Familie, wenn das tiefste Fundament der Zivilisation in Frage gestellt wird. Ich verstehe das also hinsichtlich der Mechanismen, möchte aber die Betreffenden damit keineswegs entlasten. Wer sich in einer Position befindet, in der er mithelfen könnte, die Aufklärung herbeizuführen, der muss diese Kraft aufbringen und die Feigheit überwinden, ansonsten lässt er nicht nur die direkt betroffenen anderen Tiere und die zunehmend zerstörte Natur im Stich, sondern eben auch die Menschenkinder. Besonders die großen Massenmedien sind aktuell sogar ganz wesentlich für die aktive Aufrechterhaltung der kollektiven Verdrängung verantwortlich, da geht es nicht nur um Unterlassung. Die dortigen Beteiligten laden sich sehr schwere Schuld auf.

Vielen Dank für das Interview!